Gehaltsgespräch: Rekordumsatz, aber kein Geld da?

So gehst du als Augenoptiker oder Hörakustiker souverän ins Gehaltsgespräch.

Veröffentlicht am: 12.10.2026
Autor/in: Placing-Me
Lesezeit: Minuten

Der Laden läuft gut, die Termine sind voll und am Ende des Monats stimmen auch die Zahlen. Vielleicht verkaufst du regelmäßig hochwertige Gleitsichtbrillen, betreust anspruchsvolle Kontaktlinsenkunden oder hast in der Hörakustik seit Wochen einen vollen Terminkalender mit Neuversorgungen, Nachanpassungen und schwierigen Fällen. Nebenbei springst du für Kollegen ein, arbeitest neue Mitarbeiter ein oder übernimmst längst Aufgaben, die vor ein oder zwei Jahren noch gar nicht bei dir lagen.

Eigentlich wäre also alles da, um im nächsten Jahresgespräch über eine vernünftige Gehaltsentwicklung zu sprechen.

Dann sitzt du deinem Chef gegenüber, hörst zunächst, dass man sehr zufrieden mit dir sei und deine Entwicklung positiv sehe, und spätestens bei der Frage nach mehr Gehalt verändert sich das Gespräch. Auf einmal geht es um gestiegene Mieten, höhere Einkaufspreise, Investitionen in neue Geräte, schwierige Krankenkassenabrechnungen oder eine allgemein angespannte wirtschaftliche Situation.

Das kann alles stimmen. Trotzdem beantwortet es nicht automatisch die entscheidende Frage: Passt dein aktuelles Gehalt noch zu deiner Leistung, deiner Verantwortung und deinem Marktwert?

„Kein Budget“ und „deine Forderung ist zu hoch“ sind nicht dasselbe

Genau hier werden in vielen Gehaltsgesprächen zwei Dinge miteinander vermischt, die zwar zusammenhängen, aber nicht identisch sind.

Natürlich muss ein Fachgeschäft wirtschaftlich arbeiten. Ein Arbeitgeber kann nicht jeden beliebigen Gehaltswunsch erfüllen, nur weil die Umsatzzahlen gut aussehen. Von den Einnahmen werden schließlich Ware, Miete, Geräte, Verwaltung, Versicherungen und viele weitere Kosten bezahlt.

Trotzdem bedeutet ein knappes Budget nicht automatisch, dass dein Gehalt angemessen ist.

Wenn du heute deutlich mehr Verantwortung trägst als vor zwei Jahren, dich fachlich weiterentwickelt hast und einen wichtigen Beitrag zum laufenden Geschäft leistest, darfst du erwarten, dass diese Entwicklung irgendwann auch finanziell berücksichtigt wird.

Im Gespräch hilft es deshalb wenig, über jeden einzelnen Kostenpunkt des Unternehmens zu diskutieren. Ob die Stromrechnung gestiegen ist oder ein neues Messgerät angeschafft wurde, kannst du ohnehin kaum beurteilen. Viel sinnvoller ist es, das Gespräch immer wieder auf deine eigene Leistung zurückzuführen.

Was hat sich bei dir konkret verändert? Welche Aufgaben übernimmst du inzwischen? Welche Verantwortung trägst du zusätzlich? Wo entlastest du das Team oder die Geschäftsführung? Darum sollte es gehen.

Dein stärkstes Argument ist nicht dein Gefühl, sondern deine Entwicklung

Viele gehen mit einem verständlichen, aber schwer greifbaren Gefühl ins Gespräch: „Ich mache inzwischen so viel mehr, deshalb finde ich, dass ich auch mehr verdienen sollte.“

Das Problem ist nicht die Aussage selbst, sondern dass sie relativ leicht abgewehrt werden kann.

Stärker wird deine Position, wenn du konkret wirst.

Vielleicht hast du in der Augenoptik inzwischen einen großen Teil der Refraktionen übernommen, betreust Kontaktlinsenkunden selbstständig oder bist für Werkstatt, Bestellungen und bestimmte organisatorische Abläufe verantwortlich. Vielleicht kümmerst du dich zusätzlich um Auszubildende oder bist die Person, die immer einspringt, wenn es kompliziert wird.

In der Hörakustik kann es ähnlich aussehen. Du führst schwierige Anpassungen eigenständig durch, übernimmst CI- oder Pädakustikfälle, kümmerst dich um Nachversorgungen, organisierst Abläufe im Fachgeschäft oder hast vielleicht schon erste Führungsverantwortung übernommen.

All diese Punkte sind wertvoll, auch wenn sie sich nicht jeden Tag direkt in einer einzelnen Umsatzkennzahl ablesen lassen.

Gerade in kleinen Teams merkt man häufig erst dann, wie wichtig eine Person für den Betrieb ist, wenn sie ein paar Tage fehlt. Plötzlich bleiben Aufgaben liegen, Kunden müssen umgeplant werden oder Kollegen merken, wie viel Organisation sonst ganz selbstverständlich mitläuft.

Genau solche Dinge gehören in ein Gehaltsgespräch.

Umsatz hilft dir, aber er ist nicht die einzige Kennzahl

Wenn du deine persönlichen Zahlen kennst, ist das natürlich ein großer Vorteil. Gute Umsätze, hohe Abschlussquoten oder eine starke Auslastung zeigen ziemlich deutlich, dass deine Arbeit wirtschaftlich relevant ist.

Trotzdem solltest du vorsichtig damit sein, deinen Umsatz direkt mit deinem Gehalt zu verrechnen.

Ein Satz wie „Ich mache 30.000 Euro Umsatz im Monat, also kann ich auch 500 Euro mehr verdienen“ klingt zwar logisch, greift aber zu kurz. Umsatz ist eben nicht Gewinn, und ein Fachgeschäft hat laufende Kosten, die du von außen nicht vollständig kennst.

Besser ist eine Argumentation, die Umsatz und Leistung miteinander verbindet.

Du könntest beispielsweise sagen, dass du deine Verantwortung in den vergangenen Monaten deutlich ausgebaut hast, deine Zahlen stabil oder sogar gestiegen sind und du deshalb deine aktuelle Vergütung neu bewerten möchtest.

Damit bleibst du sachlich und machst gleichzeitig klar, dass deine Forderung nicht aus dem Bauch heraus entsteht.

Was ist dein Marktwert eigentlich?

Eine der schwierigsten Fragen vor einem Gehaltsgespräch ist oft gar nicht, wie man mehr Geld fordert, sondern wie viel überhaupt realistisch ist.

Gerade in der Augenoptik und Hörakustik gibt es enorme Unterschiede. Ein frisch ausgelernter Geselle auf dem Land lässt sich nicht sinnvoll mit einem erfahrenen Meister vergleichen, der ein Team führt oder in einer Region arbeitet, in der Fachkräfte besonders knapp sind.

Auch Zusatzqualifikationen spielen eine Rolle.

In der Augenoptik können Refraktion, Kontaktlinsenanpassung, Low Vision, Werkstatterfahrung oder Führungsverantwortung deinen Marktwert erhöhen. In der Hörakustik können Pädakustik, CI, Tinnitus, Hörtraining, Führungserfahrung oder besondere Anpasskompetenzen einen ähnlichen Effekt haben.

Dazu kommen ganz praktische Faktoren wie Berufserfahrung, Region, Arbeitszeit, Samstagsarbeit, Personalverantwortung und die Frage, wie dringend Unternehmen in deiner Umgebung aktuell Fachkräfte suchen.

Deshalb bringt es wenig, irgendeinen allgemeinen Durchschnittswert aus dem Internet zu nehmen und daraus abzuleiten, was du verdienen solltest.

Viel wichtiger ist die Frage: Was zahlen vergleichbare Arbeitgeber in deiner Region für Menschen mit deinem Profil?

Wenn du darauf eine halbwegs gute Antwort hast, gehst du automatisch sicherer ins Gespräch.

Geh mit einer klaren Zahl ins Gespräch

Ein Satz wie „Ich hätte gerne etwas mehr Gehalt“ ist für den Arbeitgeber angenehm, weil er völlig offenlässt, was du eigentlich erwartest.

Für dich ist das eher ungünstig.

Überlege dir deshalb vorher, wo du hinwillst. Was wäre dein Wunschgehalt? Welche Anpassung wäre für dich noch in Ordnung? Und ab welchem Betrag würdest du sagen, dass sich deine Situation eigentlich kaum verändert?

Diese Zahlen solltest du vor dem Gespräch kennen.

Du musst nicht mit einer komplizierten Strategie oder einem Verhandlungsskript auftreten. Oft reicht ein klarer Satz wie:

„Meine Verantwortung hat sich im vergangenen Jahr deutlich erhöht und ich habe mich fachlich weiterentwickelt. Deshalb stelle ich mir zukünftig ein Bruttogehalt von 4.200 Euro vor.“

Damit gibst du dem Gespräch eine konkrete Richtung und vermeidest, dass dein Gegenüber zuerst irgendeine Zahl nennt, an der sich anschließend alles orientiert.

Was passiert, wenn beim Grundgehalt wirklich nichts geht?

Es gibt natürlich auch Situationen, in denen ein Arbeitgeber eine Gehaltserhöhung nicht sofort vollständig umsetzen kann. Das muss nicht automatisch bedeuten, dass man dich hinhalten möchte.

Vielleicht steckt der Betrieb tatsächlich gerade in einer schwierigen Phase oder hat größere Investitionen hinter sich. Vielleicht liegt deine Forderung über dem, was kurzfristig machbar ist.

Entscheidend ist dann, was danach passiert.

Ein gutes Gespräch endet nicht bei „Das geht gerade nicht“.

Vielleicht kann ein Teil der Erhöhung sofort umgesetzt werden und der nächste Schritt in sechs Monaten folgen. Vielleicht lässt sich ein fester Zeitpunkt vereinbaren, an dem das Gehalt erneut angepasst wird. Denkbar sind auch Bonusmodelle, zusätzliche Urlaubstage, Fahrtkostenzuschüsse, Weiterbildungsbudgets oder bessere Arbeitszeiten.

Solche Dinge können durchaus attraktiv sein, sollten aber ein dauerhaft zu niedriges Grundgehalt nicht verstecken.

Besonders vorsichtig solltest du bei sehr offenen Aussagen sein.

„Nächstes Jahr schauen wir nochmal“ klingt freundlich, ist aber keine konkrete Vereinbarung.

Viel besser wäre beispielsweise: „Ab Januar erhöhen wir dein Gehalt um 250 Euro, wenn du bis dahin die vereinbarten zusätzlichen Aufgaben vollständig übernommen hast.“

Dann wissen beide Seiten, woran sie sind.

Gute Arbeitgeber vermeiden das Thema Gehalt nicht

Ein gutes Gehaltsgespräch muss nicht immer dazu führen, dass du exakt das bekommst, was du gefordert hast. Es sollte aber nachvollziehbar und fair verlaufen.

Du solltest erklären können, warum du dein Gehalt anpassen möchtest. Gleichzeitig sollte dein Arbeitgeber erklären können, wie er deine Leistung einschätzt und welche Entwicklung er für realistisch hält.

Problematisch wird es, wenn sich jedes Jahr dasselbe Muster wiederholt.

Du bekommst mehr Verantwortung, dein Gehalt bleibt aber gleich. Du arbeitest neue Kollegen ein, übernimmst Organisation oder Führung und bekommst trotzdem immer wieder zu hören, dass gerade kein guter Zeitpunkt sei. Deine Arbeit wird gelobt, aber sobald es konkret ums Geld geht, endet das Gespräch.

Dann solltest du irgendwann nicht mehr nur darüber nachdenken, wie du deinen Arbeitgeber überzeugen kannst.

Dann ist auch die Frage erlaubt, ob dieser Arbeitgeber langfristig überhaupt noch zu deinen eigenen Zielen passt.

Ein Jobwechsel ist keine Drohung, sondern eine Option

Es bringt wenig, im Gehaltsgespräch direkt mit Kündigung zu drohen. Das wirkt schnell unnötig konfrontativ und kann ein eigentlich gutes Gespräch in die falsche Richtung bringen.

Trotzdem solltest du deine Alternativen kennen.

Es macht psychologisch einen großen Unterschied, ob du denkst: „Ich brauche unbedingt diese Gehaltserhöhung, weil ich hier bleiben muss.“

Oder ob du weißt: „Ich würde gerne bleiben, aber ich kenne meinen Marktwert und weiß, dass es auch andere Möglichkeiten gibt.“

Gerade in der Augenoptik und Hörakustik bleiben viele Fachkräfte sehr lange bei demselben Arbeitgeber. Man kennt das Team, die Kunden, die Abläufe und den Arbeitsweg, und irgendwann fehlt komplett der Vergleich dazu, was andere Unternehmen eigentlich anbieten.

Erst bei einem Blick auf andere Stellen fällt dann auf, dass dort vielleicht ein höheres Gehalt möglich wäre, weniger Samstage gearbeitet werden, Fortbildungen stärker gefördert werden oder es klarere Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

Ein Hörakustiker entdeckt möglicherweise Stellen mit Perspektive Richtung Fachgeschäftsleitung, Bezirksleitung oder Industrie. Eine Augenoptikerin stellt vielleicht fest, dass sie ihre Erfahrung in Kontaktlinse oder Refraktion bei einem anderen Arbeitgeber deutlich besser einsetzen könnte.

Das bedeutet nicht, dass du wegen jeder Kleinigkeit wechseln solltest.

Aber du solltest wissen, welche Möglichkeiten du hast.

Wertschätzung ist mehr als ein netter Satz

„Wir sind wirklich froh, dass wir dich haben.“

Das hört natürlich jeder gerne.

Nur sollte sich Wertschätzung irgendwann auch in den Rahmenbedingungen widerspiegeln.

Wenn du deinen Meister machst, zusätzliche Verantwortung übernimmst, ein Team führst, Azubis betreust oder fachlich immer wichtiger für den Betrieb wirst, dann sollte es irgendwann auch ein Gespräch darüber geben, was diese Entwicklung finanziell bedeutet.

Es geht nicht darum, jede zusätzliche Aufgabe sofort mit einem festen Eurobetrag zu versehen.

Aber wenn deine Verantwortung über Jahre wächst und dein Gehalt praktisch stehen bleibt, ist es völlig legitim, das zu hinterfragen.

Das macht dich nicht undankbar und auch nicht geldgierig. Du beschäftigst dich einfach mit der Frage, welchen Wert deine Arbeit inzwischen hat.

So bereitest du dich sinnvoll vor

Vor deinem nächsten Gehaltsgespräch solltest du dir einmal in Ruhe die vergangenen zwölf Monate anschauen.

Welche Aufgaben hast du neu übernommen? Wo hast du dich fachlich verbessert? Welche Verantwortung liegt inzwischen bei dir? Welche Leistungen oder Ergebnisse kannst du konkret benennen? Und gibt es Aufgaben, die du regelmäßig übernimmst, obwohl sie ursprünglich gar nicht Teil deiner Rolle waren?

Danach kommt die zweite wichtige Frage: Was möchtest du zukünftig verdienen?

Wenn du auf beide Bereiche eine klare Antwort hast, gehst du mit einer deutlich besseren Ausgangslage ins Gespräch. Dann führst du keine Diskussion darüber, ob du einfach „mehr Geld möchtest“, sondern darüber, wie sich deine Rolle entwickelt hat und wie diese Entwicklung zukünftig vergütet werden sollte.

Genau so sollte ein vernünftiges Gehaltsgespräch aussehen.

Passt dein Gehalt noch zu deinem Marktwert?

Gerade in der Augenoptik und Hörakustik können sich Gehälter stärker unterscheiden, als viele vermuten. Region, Berufserfahrung, Meistertitel, Zusatzqualifikationen, Führungsverantwortung und Arbeitszeiten spielen dabei eine große Rolle.

Wenn du seit Jahren beim selben Arbeitgeber bist, fehlt dir möglicherweise einfach der Vergleich.

Bei Placing-Me kannst du kostenlos und diskret herausfinden, welche Jobs und Arbeitgeber zu deinem Profil passen und welche Gehaltsmöglichkeiten für dich realistisch sind. Mach dazu gerne unseren Gehaltsvergleich!